Rückkehr mit anderen Augen

Immer wenn ich von einer längeren Reise zurückkomme, erscheint mir Wien anfangs mindestens so fremd wie als ich vor mehr als zwei Jahren hierher gezogen bin. Ich glaube, als Norddeutscher werde ich mich hier nie ganz heimisch fühlen. Auch nicht als jemand, dem die Städte gar nicht groß und geschäftig genug sein können. Und schon gar nicht als jemand, der es gerne hat, wenn andere Menschen wenigstens ab und zu mal versuchen, ein wenig freundlich zu sein. Zum Beispiel indem sie mal lächeln.

Wenn ich aus einem islamischen Land zurückkehre, verstärkt sich die Befremdung noch dadurch, dass ich mich erst wieder an die freizügige Kleidung der Frauen gewöhnen muss (kurze Röcke im Herbst: ich bin geradezu empört).

Der Übergang von trockener Hitze zu milder, feuchter Luft macht mir auch zu schaffen. Andere laufen mit dicken Jacken herum, ich schwitze beim Gang zum Supermarkt um die Ecke mein T-Shirt voll.

Diesmal ist meine Rückkehr in den Ramadan-Monat gefallen. Ich erwische mich dabei, wie ich die Menschen, die tagsüber an den Würstchenbuden stehen, missbilligend anstarre. Eigentlich falle ich mit meinen unverhohlenen bösen Blicken in Wien gar nicht auf, aber ich werde mir dabei selber unheimlich.

Am schlimmsten finde ich es allerdings, mitten im Oktober nach Wien zu kommen und so was zu sehen:

Quelle: www.penny.at

Außerdem scheinen die Billig-Espressomaschinen in den zwei Monaten, die ich weg war, Wien erobert zu haben. Wo kommt diese Mode auf einmal her?

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