Meister!

(c) Bay Ismoyo/AFP/Getty Images

Die Fußballnationalmannschaft des Irak hat gestern in der indonesischen Hauptstadt Jakarta zum ersten Mal die Asienmeisterschaft gewonnen. Das einzige Tor des Endspiels gegen den dreifachen Asienmeister Saudi Arabien köpfte Kapitän Younes Mahmoud nach einer Ecke in der 71. Minute. Die Mannschaft aus dem Königreich, die an fünf der letzten sechs Endspiele teilnahm und bei einem Sieg der alleinige Rekord-Asienmeister geworden wäre, war nach Australien und Südkorea der dritte Teilnehmer der WM 2006, den der Irak auf dem Weg zum Titel besiegte.

Als 80. der FIFA-Weltrangliste, zwischen Armenien und Zypern, waren die Iraker beim Turnier in Indonesien, Malaysia, Thailand und Vietnam krasser Außenseiter. Es hatte noch nie eine Mannschaft aus dem Irak das Finale erreicht. Finanzielle und logistische Probleme kamen erschwerend zur sportlichen Herausforderung hinzu. Der brasilianische Trainer Jorvan Vieira wurde erst einen Monat vor Turnierbeginn für zwei Monate verpflichtet. Dann erst wurde die Mannschaft zusammengestellt und fing an, zu trainieren – in Jordanien, aus Angst vor Anschlägen im eigenen Land. Der Kapitän, Stürmer Younes Mahmoud, musste vor dem Vorrundenspiel gegen Thailand 12 Stunden lang am Flughafen in Bangkok auf die Einreiseerlaubnis warten. Und vor dem Halbfinalspiel gegen Südkorea verbrachten die „Löwen der zwei Ströme“ mehrere Stunden wartend in der Lobby ihres Hotels in Kuala Lumpur, da ihre Zimmer noch von der iranischen Nationalmannschaft belegt wurden.

Der Erfolg ist also mehr als eine Überraschung. Er könnte auch einigen Spielern, die größtenteils in Ländern mit schwachen Ligen wie dem Libanon, Zypern oder den Vereinigten Arabischen Emiraten spielen, den Weg nach Europa ebnen. An Mahmoud sollen mehrere französische Erstligisten interessiert sein, Nashat Akram liegt angeblich ein Angebot des FC Sunderland aus der englischen Premier League vor, und Arminia Bielefeld bemüht sich offenbar um den Mittelfeldspieler Hawar Mohammed. Vor allem ist der Triumph bei der alle vier Jahre stattfindenden Asienmeisterschaft aber ein Hoffnungsschimmer für die Menschen im Irak. Während im eigenen Land ein Bürgerkrieg tobt, spielen in der Fußballnationalmannschaft Schiiten, Sunniten und Kurden konfliktfrei und erfolgreich zusammen. Höchstwahrscheinlich hat dieses Sportereignis keine Auswirkungen auf die Zukunft des Landes, auch wenn freudentrunkene Fans in Bagdad den Sieg in Jakarta schon mit dem Sturz Saddam Husseins oder dem Ende des Krieges gegen den Iran vergleichen. Es mag nur eine Ablenkung sein, aber eine Ablenkung von Krieg und Terror ist sicher jederzeit sehr willkommen.

Ein weiterer Lichtblick ist die Tatsache, dass es nach dem Endspiel keine Anschläge auf die Menschenmassen gab, die in den Straßen der irakischen Städte den Erfolg ihrer Mannschaft feierten. Nach dem Halbfinale waren 50 Menschen bei zwei Bombenanschlägen in von feiernden Fußball-Fans gefüllten Teilen Bagdads ums Leben gekommen. Es starben zwar auch gestern vier Menschen bei den Fußballfeiern, allerdings durch Freudenschüsse. Traurigerweise kommt im Irak selbst ein so freudiges Ereignis nichts ganz ohne Tote aus.

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